Anlegertypen

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S. auch Basisstrategien

Nicht jeder Anleger ist gleich. Manche zocken, andere wollen ruhig schlafen. Wie Anleger ihren persönlichen Risikotyp erkennen und dadurch vermeiden, dass sie ihr Geld falsch anlegen.

Die mit dem schnellen Geld kommen und verschwinden auch in der Hausse. Die soliden Typen aber überstehen auch die Baisse», so heisst es im Börsenfilmklassiker Wallstreet. Das mit dem schnellen Geld ist allerdings nicht jedermanns Sache. Es gibt Anleger, die haben andere Interessen als kurzfristige und schnelle Zockerei. Denn solche Geschäfte strapazieren die Nerven. Aber auch solide sein, ist nicht das Patentrezept für alle Börsianer. Manchem ist das zu langweilig. Jeder ist anders. Jeder Anleger hat eigene Ziele, Vorstellungen und bringt verschiedene Voraussetzungen mit. Es gibt unterschiedliche Risikotypen. Man muss sich mit seiner Anlage wohl fühlen.

Ausgangspunkt für die Anlageentscheidung ist das magische Dreieck der Geldanlage. Das sind die drei Ziele Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit, also Liquidität. Sicher – jeder will so viel Rendite wie möglich, das ohne Risiko und am besten soll das Geld auch noch jederzeit verfügbar sein. So geht das allerdings nicht. Zwischen den Punkten Rendite, Sicherheit und Liquidität gibt es einen Zielkonflikt. Zuerst: Je höher die Rendite, desto höher ist auch das Risiko. Das dürfen Anleger nie vergessen: Hohe Renditeversprechungen sind immer mit höheren Risiken verbunden! Schweizer Staatsanleihen bergen kaum Risiken. Dafür gibt es aber auch nur geringe Renditen. Hochriskante Aktien oder auch ausserbörsliche Geldanlagen können im Wert vielleicht um das Fünf- oder Zehnfache steigen – aber auch der Totalverlust ist möglich. Dann: Die Verfügbarkeit. Wer einen kurzen Zeithorizont hat, also auch kurzfristig auf sein Geld zurückgreifen will, muss dafür geringere Renditen in Kauf nehmen. Wer länger warten kann, wird für diese Geduld belohnt. Auch zwischen Risiko und Verfügbarkeit gibt es einen Zielkonflikt: Denn um so weiter der Rückzahlungstermin in der Zukunft liegt, um so mehr kann passieren, es kann Kriege geben, Rezession, Hyperinflation, sogar Staaten können Pleite gehen. Das Risiko nimmt also mit der Laufzeit zu. Wegen der geringeren Visibilität, der Vorhersehbarkeit der Entwicklung, gibt es höhere Renditen. Rendite, Sicherheit, Verfügbarkeit – diese drei Dinge prägen jede Anlage.

Risikotypen – von konservativ bis risikofreudig

Typ 1: Der konservative Anleger – Risikoaversion. Er setzt auf Sicherheit seiner Kapitalanlage und möchte wenn möglich auch kurzfristig auf sein Vermögen zurückgreifen können. Für die geringeren Risiken verzichtet er auf höhere Renditen. Konservative Anleger setzen vor allem auf Liquidität, Geldmarktpapier und Obligationen höchster Qualität (AAA-Rating). Risikoscheue Anleger investieren nu einen kleinen Teil ihres Vermögens in Aktien. Der Aktienteil setzt sich dabei vor allem auf Blue Chips (Standardwerte, Aktien führender Unternehmen mit erstklassiger Bonität) – wegen möglicher Währungsrisiken im Prinzip ausschliesslich aus dem Heimatland. Für sie sind auch fundamental starke Firmen – also solche mit viel Eigenkapital, hohen nachhaltigen Dividenden und zuverlässigen Gewinnen – interessant.

Typ 2: Der ausgewogene Anleger – Risikoneutralität. Er legt Wert auf ein optimales Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag. Dieser Investor akzeptiert auch kurzfristige Kursschwankungen, will dafür aber eine Rendite, die über der von Festverzinslichen liegt. Der Aktienanteil ist höher als bei Risikoaversen. Als Faustformel für die Aktienquote gilt hier: 100 minus Lebensalter. Ein 40 Jähriger kann danach etwa 60 Prozent seines Vermögens in Aktien investieren. Ein 60 Jähriger dagegen sollte nur noch rund 40 Prozent in Aktien halten. Denn je kürzer der zur Verfügung stehende Anlagezeitraum, um so ungünstiger werden Aktien, da sie im Kurs fallen können und der verbleibende Anlagehorizont unter Umständen nicht mehr ausreicht, um Verluste auszugleichen. Berücksichtigt werden muss bei der Aktienquote auch die persönliche Situation, etwa die Höhe des Gesamtvermögens, das Einkommen und wie viel Geld man regelmässig bei Seite legen kann. Wer ein grosses Vermögen hat und regelmässig spart, kann eher etwas riskieren. Wer dagegen wenig hat, sollte vorsichtiger agieren. Hier steht Sicherheit im Vordergrund. Und vor allem die Frage: Welches Ziel verfolge ich? Soll das Geld als Vorsorge angelegt werden oder soll es später beispielsweise für den Kauf eines Autos oder einer Wohnung verwendet werden?

Typ 3: Der wachstumsorientierte Anleger – Risikofreude. Er will eine hohe Rendite und geht dafür auch grössere Risiken ein. Für ihn steht der Gewinn an erster Stelle. Er nimmt deshalb auch hohe Kursausschläge in Kauf, erwartet aber auf lange Sicht eine hohe Rendite. Wachstumsorientierte Anleger setzen vor allem auf Aktien. Dieser Anlegertyp kann seinen Konsum oder unvorhergesehene Ausgaben aus dem laufenden Einkommen decken oder aus seinen Reserven. Der risikofreudige Anleger setzt nicht selten auf spekulative Aktien, etwa Firmen, die Verluste schreiben, restrukturieren und sich neu ausrichten und möglicherweise kurz vor dem Turn-around stehen. Er kauft auch Titel von Newcomern, die erst am Anfang stehen und bei denen man noch gar nicht genau weiss, wohin die Entwicklung geht. Riskanter sind generell Aktienengagement in Firmen mit kurzer Historie, Small oder Micro Caps, die nur eine kleine Umsatzund Kundenbasis haben. Hier kann es zwar schnell hohes Wachstum geben, aber auch den völligen Zusammenbruch, falls einer oder alle der wenigen Kunden wegbrechen oder sich das Geschäftsmodell als nicht tragfähig erweist.

Vor der Anlage stellen sich Börsianer folgende Fragen:

1) Welches konkrete Chance- Risiko-Verhältnis ist bei meiner aktuellen Anlageentscheidung gerechtfertigt, und wieverhält sich diese Anlage zu meinem Gesamtvermögen?

2) Wie viel Verlust kann oder möchte ich pro Jahr maximal mit meiner Anlage riskieren, und welche Rendite möchte ich mindestens erzielen?

3) Wie lange möchte ich eine bestimmte Summe mindestens anlegen, und wann brauche ich das Geld frühestens wieder? Wer seinen Risikofähigkeit kennt, kann sein Depot an die eigenen Erwartungen anpassen und Enttäuschungen über niedrige Renditen oder zwischenzeitliche Verluste vermeiden. Kurzum: Er verhindert, dass er sein Geld falsch anlegt.

Nicht alles auf eine Karte setzen

«Nicht alle Eier in einen Korb legen!» – das rät Wirtschaftsnobelpreisträger Harry M. Markowitz. Der US-Ökonom hat mit seiner Portfoliotheorie bereits 1952 nachgewiesen, dass durch Diversifikation des Portfolios – die Verteilung des Anlagebetrags auf verschiedene Positionen – bei gleicher Ertragserwartung geringere Risiken erreicht werden können. Diese Risikostreuung erfolgt nicht nur durch den Kauf von Aktien verschiedener Firmen, sondern auch von solchen aus unterschiedlichen Branchen und sogar verschiedenen Ländern.

Abhängigkeiten beachten

Die Frage dahinter: Wie stark sind die einzelnen Assets korreliert – entwickeln sie sich also eher im Gleichschritt oder unabhängig voneinander? Hat man beispielsweise nur Aktien der gleichen Branche aus einem Land im Depot, sind die Risiken höher. Hat man hingegen Titel aus unterschiedlichen Bereichen im Portfolio, dann kann eine schwache Entwicklung in einem Sektor möglicherweise durch starke Konjunktur in einem anderen Segment ausgeglichen werden. So gibt es etwa Früh- oder Spätzykliker oder eher konjunkturunabhängige Branchen.

Diversifikation auf verschiedene Länder senkt die Risiken weiter. Dabei muss aber das Währungsrisiko im Auge behalten werden. Anleger die in Franken rechnen, haben in den vergangenen Jahren für Auslandengagements «bluten» müssen.

Absicherung / Hedging

Risiken lassen sich auch auf einem anderen Weg vermeiden oder senken: Durch Absicherung, das sogenannte Hedging. Solche Absicherungsgeschäfte werden durch börsennotierte Derivate, Optionsscheine, Optionen oder Futures möglich. Die Risiken werden dadurch ausgeglichen, dass Kursschwankungen beim Grundgeschäft, etwa einer bestimmten Aktie, durch entgegengesetzte Kursausschläge beim Derivat aufgewogen werden. Hedging kostet allerdings Geld. Wie teuer es wird, hängt vom Zinsniveau, der Dauer der Absicherung und der Volatilität, also der Schwankungsfreudigkeit, des Basisinvestments ab.

Zwei Formen der Absicherung machen für Privatanleger Sinn. Zum einen die temporäre Absicherung des Depots gegen Kursverluste. Da Hedging aus Kostengründen kurzfristig sein sollte, bauen Börsianer solche Kurssicherungen beim Depot beispielsweise dann ein, wenn sie für einige Wochen in Urlaub fahren und sich dabei vor unliebsame Überraschungen schützen wollen. Anstatt nun vor dem Urlaub das gesamte Portfolio zu verkaufen und danach wieder zeitaufwendig und gebührentreibend aufzubauen, setzen Anleger in solchen Fällen lieber auf die Absicherung beispielsweise via Indexzertifikat. Eine andere Form des Hedgings findet sich bei Investition in Rohstoffe. Da Rohstoffe meist in Dollar notieren, gibt es bei dieser Anlage nicht nur die üblichen Kursschwankungen des jeweiligen Rohstoffs, sondern auch Wechselkursrisiken. Gerade die aktuelle Dollarschwäche wirkt für Frankenanleger gewinnmindernd. Viele Anleger vermeiden das indem sie zu währungsgesicherten – sogenannten quanto – Rohstoffinvestments greifen.

Quelle

  • Swiss Equity Magazin, Stock Trading Report 2011
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