Charttechnik

Aus Börsenwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Charts – die Fieberkurve der Aktien. Wer versteht, wie man diese Kurslinien und Preisspannen analysiert, ist im Wertschriftenhandel im Vorteil.

Charttechnik – eine Wissenschaft, die vergeblich sucht, was Wissen schafft» – lästert zwar Börsenaltmeister André Kostolany. Sicher – Charttechnik darf man nicht überbewerten. Denn die Kurse werden nun einmal am stärksten von den harten Fakten bestimmt: Von Nachrichten, der Konjunktur, der Börsenstimmung und Psychologie, von den fundamentalen Daten aus der Bilanz der Unternehmen. Doch: Viele Börsianer – Privatanleger und Profis gleichermassen – berücksichtigen bei ihren Entscheidungen doch den Chart – die grafische Darstellung des Kursverlaufes einer Aktie oder von Indizes. Zahlreiche Banken und Vermögensverwalter setzen ganz oder teilweise auf diese Art der Wertschriftenanalyse. Allein der Umstand, das viele Börsianer der Charttechnik vertrauen, kann diese zurselbsterfüllenden Prophezeiung machen: Wenn der Chart Kaufsignale gibt, dann kaufen auch viele Marktteilnehmer. Die von den Charttechnik gelieferten Kauf der Verkaufssignale treten dann tatsächlich ein. Es ist deshalb von Vorteil, wenn Anleger die wichtigsten Chartformationen kennen. Gewählt werden vorzugsweise Balken-Charts, da diese den Eröffnungs-, Hoch-, Tief- und Schlusskurs der einzelnen Tage abbilden und so anders etwa als Liniencharts die Extremkurse anzeigen.

Trendlinien und -kanäle
Viel beachtet sind Trendlinien wie die 38- und 200-Tage-Linie. Das sind die gleitenden Durchschnitte der Kurse einer Aktien in den vergangenen 38 oder 200 Tagen. Anleger sehen hier beispielsweise ein Verkaufsignal, wenn eine Aktie unter die jeweilige Linie fällt. Gekauft wird, wenn der Kurs über den 38- oder 200-Tage-Trend klettert. Auch Trendkanäle liefern wichtige Chartsignale. Bei einem Aufwärts- oder Abwärtstrend werden mehrere Hochoder Tiefkurse durch Linien miteinander verbunden. Durchbricht der Kurs einer Aktie die untere Trendbegrenzung sehen technisch orientierte Anleger ein Verkaufssignal. Klettert eine Aktie über die obere Trendbegrenzung, rät der Chart zum Einstieg. Wird die obere beziehungsweise untere Trendbegrenzung auch nach mehreren Versuchen – in mehreren Tagen, Wochen oder auch Monaten – nicht durchbrochen, spricht man von Widerstand beziehungsweise Unterstützung. Viele Anleger sehen deshalb erst nach Überwindung eines Widerstands freie Bahn für weitere Kursgewinne und steigen erst dann ein. Fällt ein Widerstand, hat das dann nicht selten stärkere technisch ausgelöste Kursanstiege zur Folge. Umgekehrt gilt das bei Unterstützungen. Hält sich eine Aktie aber im Trendkanal – etwa im Aufwärtstrend – so sehen sich Anleger bei ihrer Kaufentscheidung bestätigt.

Trading Range
Nicht umsonst heisst es an der Börse: The Trend is your friend. Viele Börsianer orientieren sich deshalb an Trends. Im Seitwärtstrend, der Trading Range, läuft eine Aktie unter Umständen längere Zeit – möglicherweise über mehrere Monate oder sogar noch länger – in einer bestimmten Spanne zwischen zwei Kursmarken. Unten liegt dabei die Unterstützung, oben der Widerstand. Trading-orientierte Anleger kaufen hier an der unteren Trendbegrenzung, steigen an der oberen wieder aus und warten, bis die Aktie erneut auf die untere Begrenzung gefallen ist um nun erneut einzusteigen. Da eine Trading-Range nicht selten eine Spanne von zehn bis 20 Prozent umfasst und sich dieses Spiel mehrmals wiederholen kann, bieten sich hier schöne Gewinnmöglichkeiten.

M- und W-Formation
Wenn Anleger im Chart ein M oder W – eine sogenannte Doppeltop- oder Doppelboden-Formation – ablesen können, liegt eine der zuverlässigsten und am leichtesten zu identifizierenden Chartmuster vor. Beide Muster sind Umkehrformationen. Zum M kommt es häufig nach einem starken Aufwärtstrend mit technischer Gegenreaktion – sprich Kursrückgang – und einem erneuten Anstieg. Das signalisiert Anlegern eine möglicherweise bevorstehende grössere Korrektur nach unten. Das Verkaufssignal entsteht, wenn der Kurs das vorhergehende Zwischentief des M nach unten durchbrochen hat. Umgekehrt das W. Dieses Chartmuster deutet eine Trendwende nach oben an.

Die Untertasse
Dieses Chartbild hat Ähnlichkeit mit einer Untertasse und kündigt ebenfalls meist zuverlässig eine Trendwende an. Hier folgt zuerst nach einem Kursrückgang die Bodenbildung – der Kurs stagniert. Je länger das dauert, desto höher ist das folgende Kurspotenzial. Ein Kaufsignal wird geliefert, wenn sich am rechten Rand der Untertasse auf leicht erhöhtem Niveau eine Plattform bildet. Die Bestätigung erfolgt dann häufig ab diesem Punkt durch zum Teil deutlich steigende Handelsumsätze in der Aktie. Hier sind dann als Folge nicht selten kräftige Kursgewinne möglich.

Quelle

  • Swiss Equity Magazin, Stock Trading Report 2011
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge