Fundamentalanalyse

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Die Bewertung von Unternehmen ist gar nicht so schwer. So machen Anleger ihre Hausaufgaben und finden Aktien mit Potenzial.

Wenn man nun weiss wie und wo man Aktien handeln kann, kommt das wirkliche Problem: Welche Aktie oder welchen börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) soll man kaufen? Welches Unternehmen verspricht hohe Kursgewinne? Im SPI sind 223 Aktien notiert. Dazu gibt es hunderte von kotierten und nicht kotierten Schweizer Nebenwerten und tausende – ja zehntausende – von Aktien im Ausland. Eine bewährte Methode zur Aktienauswahl ist die Fundamentalanalyse.

Analysten und viele Privatanleger ermitteln dabei mit Hilfe verschiedener Kennzahlen, ob eine Aktie teuer oder billig ist und ob sie somit Kurspotenzial hat oder eher Verlustrisiken birgt. Die Grundlage für diese Kennzahlen kommt aus der Erfolgsrechnung und der Bilanz des jeweiligen Unternehmens. Zu den wichtigsten Faktoren zählen die Höhe des Gewinns, das Eigenkapital und der Umsatz. Die Bilanz finden Anleger im Geschäfts- oder Quartalsbericht der Unternehmen, die meist auch Online abrufbar sind.

Kennziffer 1: Kurs-Gewinn Verhältnis
Mit dem Kurs/Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, erkennen Börsianer oft schon auf den ersten Blick, ob eine Aktie teuer oder billig ist. Errechnet wird das KGV in zwei Schritten. Zuerst indem man den Jahresgewinn nach Steuern durch die Zahl der Aktien des Unternehmens teilt. Man erhält so den Gewinn je Aktie. Analysten sagen dazu auch EPS – Earnings per Share. Das KGV errechnet sich dann ganz einfach indem man den Kurs der Aktie durch den Gewinn je Aktie teilt: Kurs/EPS. Grundlage ist allerdings nicht der Gewinn der Vergangenheit, sondern der erwartete Gewinn für das laufende, nächste und vielleicht noch übernächste Jahr. Prognosen über einen Horizont von zwei Jahren hinaus gleichen dann allerdings meist schon der Kaffeesatzleserei. Spannend sind Aktien, bei denen das KGV deutlich unter dem Branchendurchschnitt oder dem jeweiligen Marktindex liegt. Im Index beträgt dies meist etwa 15 bis 20, kann im Boom aber auch 25 erreichen und in der Baisse bei zehn liegen. Generell gilt meist: Je höher das KGV um so grösser die Kursrisiken. KGVs finden Anleger in Börsenmagazinen oder im Internet etwa auf der Seite von SIX Swiss Exchange oder als Kunde bei 5trade.

Kennziffer 2: Die Dividendenrendite
Viele Anleger setzen auf hohe Dividenden. Nicht nur wegen Renditen von 4, 5% und mehr im Jahr. Vielmehr sind Dividenden auch ein Zeichen von Stärke. Firmen mit hohen Zahlungen schreiben nämlich oft schon lange und zuverlässig Gewinn, sie haben verfügen über ein ausreichendes Liquiditätspolster und sind solide finanziert. Die Aufnahme von Dividendenzahlungen oder die Erhöhung der Zahlungen haben eine wichtige Signalfunktion: Das Management zeigt damit: Uns geht es gut, wir müssen nicht mehr den gesamten Gewinn für schlechte Zeiten zurücklegen. Berechnung: Dividendenrendite = Dividende/Aktienkurs. Angaben zur Dividende und Dividendenrendite finden Anleger ebenfalls in Zeitungen oder im Internet.

Kennziffer 3: Eigenkapitalquote
Sie gibt eine wichtige Antwort auf die Frage: Wie ist ein Unternehmen finanziert, wie hoch sind die Schulden? Berechnung: Eigenkapital/Bilanzsumme x 100. Grundsätzlich gilt: Je höher die Eigenkapitalquote, um so besser. Firmen mit einer Quote ab 30 Prozent sind bereits solide finanziert. Viele Firmen in der Schweiz haben sogar Eigenkapitalquoten von 50 Prozent und mehr. Das bringt folgende Vorteile. Die Verschuldung und damit die Zinslasten sind niedrig, Banken oder andere Gläubiger haben wenig oder gar kein Mitspracherecht. Besonders wichtig: Mit viel Eigenkapital lassen sich auch längere konjunkturelle Durststrecken überstehen.

Kennziffer 4: Kurs-Buchwert-Verhältnis
Im Zusammenhang mit dem Eigenkapital bietet auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis KBV eine wichtige Orientierung für Anleger. Das KBV zeigt nämlich, wie hoch das Eigenkapital eines Unternehmens an der Börse bewertet ist. Hier ist ebenfalls der Vergleich zu Firmen der selben Branche oder zum Marktindex wie etwa dem SMI ausschlaggebend. Berechnung: Aktienkurs/Eigenkapital je Aktie. Es gilt: Um so kleiner das KBV, um so besser. Bei einem KBV kleiner 1 ist das Eigenkapital des Unternehmens sogar noch höher, als der Börsenwert. Aber auch hohe KBVs von 5 oder 10 können gerechtfertigt sein, etwa durch starkes Gewinnwachstum oder einem jungem Unternehmen in der Aufbauphase, das noch über eine niedrige Eigenkapitalausstattung verfügt. In hohen KBVs stecken gewöhnlich aber auch höhere Risiken. Vorsicht ist auch geboten, wenn ein Unternehmen Verluste schreibt, die die Eigenkapitalquote angreifen. Nur mit dem Buchwert allein, ist eine aussagekräftige Bewertung schwierig. Eine gute Faustregel: Ein tiefes KBV verbunden mit einem moderaten KGV und einem intakten Gewinntrend weisen auf eine Unterbewertung hin.

Quelle

  • Swiss Equity Magazin, Stock Trading Report 2011
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